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Letzte Woche saß ich mit einem Tischlermeister aus Niederösterreich beim Kaffee. Er erzählte mir von seiner CNC-Fräse. Das Ding ist das Herzstück seines Betriebs. Ohne sie steht alles. Aufträge verzögern sich, Kunden warten, Pönalen drohen.

Dann sagte er etwas, das mich beeindruckt hat: „Ich hab mit meinem Mitbewerber zwei Orte weiter eine Vereinbarung. Wenn meine Maschine ausfällt, kann ich seine nutzen – abends und am Wochenende, wenn er sie nicht braucht. Und umgekehrt.“

Kein Jurist war involviert. Kein Berater. Nur zwei Unternehmer, die verstanden haben: Im Ernstfall brauchst du einen Plan B. Und der beginnt mit einer einfachen Frage.

Die eine Frage, die sich zu wenige stellen

Was brauche ich wirklich, damit mein Betrieb weiterläuft?

Nicht im Normalbetrieb. Sondern dann, wenn es kracht. Cyberangriff. Stromausfall. Brand in der Werkstatt. Lieferant fällt aus. Kernperson wird krank.

Genau das beschreibt das Konzept der Minimum Viable Company (MVC) – des „minimal funktionsfähigen Unternehmens“. Der Begriff kommt aus der IT-Sicherheit und wurde kürzlich von Guido Grillenmeier in der Fachzeitschrift iX treffend auf den Punkt gebracht: Welche Abläufe, Ressourcen und Menschen braucht ein Unternehmen, um bei einem Totalausfall zu überleben?

Was hat das mit dir zu tun?

Vielleicht denkst du jetzt: „MVC klingt nach Konzern-Thema.“ Falsch. Es betrifft jede Unternehmensgröße.

Der Tischler hat seine MVC intuitiv erkannt: die CNC-Fräse. Und hat vorgesorgt.

Der Handelsbetrieb mit 80 Mitarbeitenden muss vor allem eines können: Ware verkaufen und ausliefern. Fällt die Logistik aus oder ist der Zugang zum Onlineshop weg, stehen die Kunden vor verschlossener Tür – egal ob digital oder physisch.

Das Produktionsunternehmen mit 200 Leuten hat drei Fertigungslinien, aber nur eine davon produziert das Kernprodukt, das 60 % des Umsatzes bringt. Wenn genau diese Linie stillsteht, tickt die Uhr. Die Frage ist: Weißt du, welche Prozesse bei dir wirklich überlebenskritisch sind?

MVC ist kein IT-Projekt – es ist eine Führungsaufgabe

Hier liegt der häufigste Denkfehler. Viele Geschäftsführungen delegieren das Thema an die IT-Abteilung. Aber die IT kann nur beantworten, welche Systeme technisch kritisch sind. Die Frage, welche Geschäftsprozesse am Leben bleiben müssen, kann nur die Geschäftsführung beantworten.

Was muss weiterlaufen, damit du morgen noch Kunden bedienen kannst? Was darf für 48 Stunden stillstehen, ohne dass dein Unternehmen ernsthaft Schaden nimmt?

Das sind keine technischen Fragen. Das sind strategische Entscheidungen.

Drei Dinge, die du sofort tun kannst

1. Identifiziere deine Top-5-Prozesse.

Nicht Systeme. Prozesse. Was muss passieren, damit Geld reinkommt und Kunden bedient werden? Auftragsannahme? Produktion? Auslieferung? Rechnungslegung? Schreib sie auf. Maximal fünf.

2. Finde die Abhängigkeiten.

Für jeden Prozess: Welche Maschine, welche Ressource, welche Person ist dabei nicht ersetzbar? Der Tischler wusste: Es ist die CNC-Fräse. Beim Handelsbetrieb ist es vielleicht die einzige Kollegin, die den gesamten Einkauf abwickelt. Beim Produktionsbetrieb die Spezialmaschine, für die es nur einen einzigen Lieferanten gibt. Und manchmal lohnt sich auch der Check: Funktioniert mein Warenwirtschaftssystem auch dann noch, wenn die zentrale Anmeldung ausfällt? Oft gibt es einfachere Workarounds als man denkt.

3. Bau eine Brücke – bevor du sie brauchst.

Das ist der Punkt, wo Vorbereitung den Unterschied macht. Der Tischler hat die Vereinbarung mit seinem Mitbewerber getroffen, bevor die Maschine ausgefallen ist. Nicht danach. Was ist deine Brücke? Eine Vereinbarung mit einem Partnerbetrieb? Ein zweiter Lieferant für dein wichtigstes Rohmaterial? Ein ausgedruckter Kontaktplan für das Notfallteam?

Was die Forschung dazu sagt

Wenn man ein bisschen im Umfeld des Harvard Business Managers recherchiert, findet man eine ganze Reihe an Artikeln, die sich mit genau diesem Thema beschäftigen. Ein paar Anregungen seien hier genannt:

Andy Bochman empfiehlt, die überlebenskritischen Kernfunktionen zu identifizieren und im Zweifelsfall vom Netz zu entkoppeln. Klingt radikal. Aber wenn deine wichtigste Maschine über eine Internetverbindung steuerbar ist, die auch Angreifer nutzen könnten – ist das dann wirklich smart?

Simchi-Levi und Kollegen haben gezeigt, dass die größten Risiken in Lieferketten oft bei den günstigsten Standardzulieferern liegen – also genau dort, wo man am wenigsten hinschaut. Nicht die Wahrscheinlichkeit einer Störung zählt, sondern die Frage: Wie lange brauchst du, um dich davon zu erholen?

Und Kaplan et al. warnen: Standardmäßige Business-Continuity-Pläne greifen bei echten Krisen oft nicht. Was hilft, ist eine Kultur der ständigen „Was-wäre-wenn“-Fragen. Im Grunde genau das, was wir bei was-tun-wenn.at mit unseren Kunden täglich machen.

MVC als Denkrahmen fürs Notfallhandbuch

Die Minimum Viable Company ist kein fertiges Produkt, das du kaufen kannst. Es ist ein Denkrahmen. Eine Methode, um die richtigen Prioritäten zu setzen, bevor der Ernstfall eintritt.

Und genau hier setzt ein gutes Notfallhandbuch an. Es beantwortet nicht die Frage „Was tun wir, wenn alles perfekt läuft?“ – sondern „Was tun wir, wenn fast nichts mehr geht?“

Der Tischler hat seinen MVC-Plan auf einem Bierdeckel. Das ist besser als die meisten Konzerne mit ihren 200-Seiten-Dokumenten, die im Ernstfall niemand liest.

Lessons Learned

  • MVC beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Was brauche ich wirklich – nicht was hätte ich gerne.
  • Es ist Chefsache. Die IT liefert Daten, aber die Entscheidung trifft die Geschäftsführung.
  • Einfach schlägt perfekt. Ein simpler Plan, der funktioniert, ist besser als ein ausgefeilter Plan, den keiner kennt.
  • Netzwerke sind Überlebensversicherungen. Auch Mitbewerber können Partner sein, wenn es drauf ankommt.
  • Vorbereitung passiert vor der Krise. Nicht währenddessen.

Deine nächsten Schritte

Nimm dir 30 Minuten. Setz dich hin – gern mit einem Kaffee – und beantworte diese drei Fragen:

  1. Welche fünf Prozesse halten meinen Betrieb am Leben?
  2. Was passiert, wenn einer davon für 48 Stunden ausfällt?
  3. Habe ich für diesen Fall einen Plan?

Wenn du bei Frage 3 ins Stocken gerätst: Genau dafür gibt es uns. Wir helfen dir, dein persönliches Notfallhandbuch zu erstellen – praxistauglich, auf dein Unternehmen zugeschnitten und so, dass es im Ernstfall auch wirklich funktioniert.

Buch dir ein kostenloses Erstgespräch auf was-tun-wenn.at – damit was geht, wenn nichts mehr geht.

Thomas Laszlo
Thomas Laszlo

Thomas Laszlo ist DER Experte für Notfallpläne. Schon seit Beginn seiner Karriere beschäftigt er sich mit dem Thema. Egal ob in der Hotellerie, als auch in der IT, wo er als IT-Leiter immer gleichzeitig Krisenmanager war. Seit 2019 begleitet er Unternehmen bei der Erstellung eigener Notfallpläne. Er ist Vortragender zum Thema Business Continuity bei diversen Wirtschaftsverbänden und IT-Kongressen.

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