Am Anfang war ich auch immer verwirrt. Und ganz ehrlich: Hin und wieder ertappe ich mich noch heute dabei, dass ich „Krise“ und „Notfall“ vertausche. Klingt ja auch irgendwie „normaler“ – ein Krisenstab. Ein Notfallstab wirkt als Wort irgendwie ungewohnt. Aber wenn man die Unterscheidung der 3 Szenarien ernst nimmt, muss man das auch an dieser Stelle durchziehen.
Das Problem: Im Ernstfall macht diese Verwechslung einen gewaltigen Unterschied.
Denn diese Begriffe sind keine Synonyme. Sie beschreiben klar definierte Eskalationsstufen – und jede davon verlangt ein anderes Vorgehen.
Störung – der Alltag der IT (und vieler Prozesse)
Eine Störung ist das, was im täglichen Betrieb passiert. Systeme funktionieren nicht wie geplant, ein Prozess hakt, ein Service ist eingeschränkt.
Wichtig:
Die Störung ist noch beherrschbar – mit normalen Mitteln. Kein Krisenteam, kein Ausnahmezustand. Klassisches Incident Management reicht aus.
Beispiel:
Ein Server ist nicht erreichbar, der Helpdesk kümmert sich darum.
Notfall – wenn es ernst wird
Ein Notfall entsteht, wenn ein kritischer Prozess erheblich beeinträchtigt ist und der Normalbetrieb nicht mehr ausreicht.
Hier greifen vorbereitete Maßnahmen – im Idealfall dein Notfallhandbuch. Das Notfallteam wird aktiv.
Beispiel:
Ein Ransomware-Angriff legt zentrale Systeme lahm. Produktion oder Auftragsabwicklung stehen still.
Krise – wenn Führung an ihre Grenzen kommt
Eine Krise ist mehr als ein technisches Problem.
Hier geht es um Entscheidungen, die mit normalen Führungsstrukturen nicht mehr bewältigt werden können. Notfallpläne helfen hier nur bedingt – meist nur um die Auswirkungen abzuschwächen.
Typisch für eine Krise:
- Hoher Entscheidungsdruck
- Unklare Lage (vielleicht durch Multi-Notfallszenarien)
- Große Auswirkungen auf das gesamte Unternehmen
Jetzt braucht es einen Krisenstab – mit erweiterten Befugnissen.
Beispiel:
Ein zentraler Lieferant fällt plötzlich aus (z. B. durch Insolvenz, Brand oder politische Ereignisse) oder ein Shitstorm.
Direkter Unterschied Notfall vs. Krise:
Notfall = „Wir kriegen das mit unseren Plänen in den Griff“
Krise = „Wir müssen grundlegend entscheiden, wie wir als Unternehmen reagieren um zu überleben“
Katastrophe / Desaster – wenn es größer als das Unternehmen wird
Eine Katastrophe (oder Desaster) geht über das eigene Unternehmen hinaus.
Hier sprechen wir von Ereignissen mit massiven Auswirkungen – oft auch gesellschaftlich oder regional relevant. In der Regel wird hier vom Land oder Bund der Katastrophenfall für die Region ausgerufen.
Beispiele:
- Großflächiger Stromausfall
- Naturkatastrophen
- Krieg oder politische Instabilität
Hier ist die Zusammenarbeit mit Blaulichtorganisationen oder anderen externen Organisationen oder Behörden fix einzuplanen.
Warum das Ganze entscheidend ist
Viele Unternehmen reagieren im Ernstfall falsch – nicht, weil sie nichts tun, sondern weil sie falsch einordnen.
- Eine Krise wird wie ein Notfall behandelt → zu wenig Entscheidungsstärke
- Ein Notfall wird als Störung gesehen → zu spät reagiert
- Eine Katastrophe trifft auf fehlende Vorbereitung → Kontrollverlust
Das Problem ist nicht das Ereignis.
Das Problem ist die falsche Eskalationsstufe.
Lessons Learned
- Begriffe sauber definieren: Jeder im Unternehmen muss wissen, was Störung, Notfall und Krise konkret bedeuten
- Klare Eskalationslogik: Wann wird von Störung zu Notfall eskaliert? Das muss vorab feststehen
- Rollen und Befugnisse festlegen: Wer entscheidet was – und ab wann?
- Nicht auf Bauchgefühl verlassen: Im Ernstfall zählt Struktur, nicht Intuition
- Üben, üben, üben: Nur wer die Eskalationsstufen regelmäßig trainiert, reagiert im Ernstfall richtig
Am Ende geht es nicht um Begriffe.
Es geht darum, dass dein Unternehmen auch dann handlungsfähig bleibt, wenn es wirklich darauf ankommt.

Thomas Laszlo ist DER Experte für Notfallpläne. Schon seit Beginn seiner Karriere beschäftigt er sich mit dem Thema. Egal ob in der Hotellerie, als auch in der IT, wo er als IT-Leiter immer gleichzeitig Krisenmanager war. Seit 2019 begleitet er Unternehmen bei der Erstellung eigener Notfallpläne. Er ist Vortragender zum Thema Business Continuity bei diversen Wirtschaftsverbänden und IT-Kongressen.
