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In der Nacht zum 9. Juni 2026 brannte in Reutlingen ein Umspannwerk – mutmaßlich Brandstiftung. Zwischenzeitlich waren rund 40.000 Menschen ohne Strom. Für die betroffenen Lebensmittelhändler in der Region bedeutete das: Kühlkette unterbrochen, Waren verdorben, Schaden in die Hunderttausende.

Was war passiert? Ein gezielter Anschlag auf eine kritische Infrastrukturstelle hat einen Dominoeffekt ausgelöst, den die wenigsten Betriebe auf dem Schirm hatten. Im Edeka in Wannweil war der Strom mehr als einen Tag weg. Man hatte zunächst noch gehofft, einen Teil der Waren retten zu können – vergeblich. Fleisch, Wurst, Tiefkühlware, verpackte Lebensmittel: alles entsorgt. Allein in diesem einen Markt beläuft sich der Schaden auf geschätzte 150.000 Euro. Insgesamt acht Edeka-Märkte in der Region waren betroffen. Auch ein Fachgroßhandel für Bäckereien musste Lagermitarbeiter nach Hause schicken – bezahlt hat er sie trotzdem, Umsatz gemacht hat er keinen.

Während einige Märkte unvorbereitet waren, zeigt das Beispiel Kaufland in Kirchentellinsfurt, dass es auch anders geht: Dort sprang ein Notstromaggregat an, der Betrieb lief weiter. Der Unterschied? Vorbereitung. Wer im Vorfeld in ein Notstromaggregat investiert hat, hat diesen Schaden nicht. Wer nicht, steht vor demselben Problem wie der Edeka in Wannweil: Die Ware ist weg, das Geld auch, und die Kunden kaufen trotzdem woanders ein – der Umsatzausfall kommt noch on top.

Was also wäre möglich gewesen, um zumindest einen Teil des Schadens zu vermeiden? Natürlich ist ein Notstromaggregat die komfortabelste Lösung – aber nicht für jeden Betrieb wirtschaftlich sinnvoll. Es gibt jedoch zwei pragmatische Alternativen, die kaum Vorbereitung kosten, aber viel retten können:

Für Einzelhändler lohnt es sich zu wissen, wo in der Region externe Kühlhäuser verfügbar sind und wo man kurzfristig Kühl-LKWs anmieten kann. Ein einziger Anruf, ein vorbereiteter Kontakt im Notfallhandbuch – und die Ware ist gerettet. Alternativ: Sofortiger Abverkauf über einen WhatsApp-Aufruf oder eine kurze Social-Media-Meldung. „Stromausfall – alles muss raus, stark reduziert, nur heute!” Das ist keine Preisdrückerei, das ist smarte Krisenreaktion. Die Ware bringt noch Geld ein, die Kunden sind happy, und nichts landet in der Tonne.

Für Filialketten gibt es eine weitere Option: Die Zentrale holt die Ware ab und verteilt sie auf andere Standorte, die noch Strom haben. Das setzt voraus, dass der Prozess im Vorfeld definiert ist – wer ruft wen an, wann werden Kühl-LKWs losgeschickt, welche Filialen übernehmen die Ware? Auch hier gilt: Wer das erst im Notfall überlegt, verliert wertvolle Stunden.


Lessons learned

Konkrete Maßnahmen, die du jetzt umsetzen kannst:

Notstromversorgung prüfen: Ist ein Aggregat wirtschaftlich sinnvoll? Falls ja: Angebot einholen, Wartungsplan erstellen, regelmäßig testen. Falls nein: Alternative Maßnahmen definieren.

Kühlhaus-Kontakte vorhalten: Recherchiere jetzt, welche externen Kühlhäuser in deiner Region kurzfristig verfügbar sind und wo du Kühl-LKWs anmieten kannst. Diese Kontakte gehören ins Notfallhandbuch – nicht erst gesucht, wenn der Strom weg ist.

Abverkaufs-Prozess vorbereiten: Definiere im Vorfeld, über welche Kanäle du im Notfall einen schnellen Abverkauf anbieten kannst (WhatsApp-Gruppe, Social Media, lokale Community-Gruppen). Wer schreibt den Post? Wer genehmigt ihn? Wer ist verantwortlich?

Für Handelsketten: Eskalationsprozess mit der Zentrale abstimmen: Wer gibt den Startschuss für die Abholung? Welche Filialen können Ware übernehmen? Dieser Prozess muss definiert und bekannt sein – nicht erst diskutiert werden, wenn die Tiefkühltruhe auftaut.

Stromausfall als Risikoszenario in die Risikoanalyse aufnehmen: Wie ich bereits im Artikel über den Berliner Stromausfall geschrieben habe – „Es reicht ein Problem an einer Schlüsselstelle”. Murphy’s Law gilt auch für Umspannwerke. Plane für 3–4 Tage ohne Strom, nicht für 3 Stunden.


Quellen: Stuttgarter Zeitung

Thomas Laszlo
Thomas Laszlo

Thomas Laszlo ist DER Experte für Notfallpläne. Schon seit Beginn seiner Karriere beschäftigt er sich mit dem Thema. Egal ob in der Hotellerie, als auch in der IT, wo er als IT-Leiter immer gleichzeitig Krisenmanager war. Seit 2019 begleitet er Unternehmen bei der Erstellung eigener Notfallpläne. Er ist Vortragender zum Thema Business Continuity bei diversen Wirtschaftsverbänden und IT-Kongressen.

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